Reaktionen auf das zuckerfreie Leben

Reaktionen

Solltet Ihr Euch entschliessen, das Projekt zuckerfrei zu starten, dann wäre es sehr hilfreich, mindestens eine Person auf Eurer Seite zu haben (vorzugsweise Partner, Partnerin), denn das macht es um einiges leichter. Es ist sehr ermüdend, zermürbend, entnervend, wenn man eh noch nicht so richtig weiss, wie man den Zuckerentzug verpackt – man schlägt sich evtl. mit Kopfschmerzen, schlechter Laune etc. rum und dann kommen noch Aussenstehende, die penetrant fragen, warum man keinen Zucker mehr isst. Und/oder noch radikaler: einem an den Kopf werfen, man sei ja jetzt wohl völlig durchgeknallt und das Gehirn braucht Zucker und man könnte sich ja melden wenn man wieder bei Verstand ist. Whäm ! Ganz so krass hatte ich es (bisher) nicht, mir hat auch Niemand die Freundschaft gekündigt, aber meine Mutter wartet weiterhin auf den Tag, an dem ich endlich wieder “normal” essen darf. Ich glaube, sie fühlt sich wohler damit, zu sagen, dass ich keinen Zucker essen “darf” als dass ich es nicht “möchte”. Klar- eigentlich darf ich Zucker nicht mehr essen, wenn ich nicht will, dass der Pilz zurück kehrt. Aber ich möchte auch nicht wenn ich dürfte, weil ich mich so, wie es jetzt ist, sehr viel wohler fühle. Ich renne aber auch nicht durch die Gegend und versuche die Leute davon zu überzeugen, keinen Zucker mehr zu essen. Im Grunde ist es mir völlig Wumpe, ob einer zuckerfrei, vegetarisch, vegan oder was auch immer lebt. Wichtig ist einzig und allein, dass derjenige sich damit wohl fühlt. Denn nur dann macht man es mit Herzblut und gerne – jeglicher Verzicht macht auf Dauer unzufrieden (so meine Erfahrung). Was mich halt sehr nervt, sind die Leute, die dann versuchen, einem den eingeschlagenen Weg schlecht- oder auszureden. Wie gesagt- bei mir sehr gerne mit: “Ohne Zucker geht doch gar nicht”, “Das Gehirn braucht Zucker”, “Wovor hast Du überhaupt Angst”, “Also ICH könnte das ja nicht- aber eigentlich esse ich auch so gut wie keinen Zucker” – sprachs und löffelt sich den fertigen “Fruchtjoghurt” rein (“Da sind nur natürliche Zutaten drin” !) Ach so- na dann geht´s doch. Ich sag da auch nichts mehr zu.

Wer meine größte Hochachtung hat, ist mein Mann Ulli. Er hat in den vielen Jahren mit mir schon einiges an Ernährungs”spirenzken” durch: von Fasten (ganze drei Stunden hab ich mal geschafft *kein Kommentar!*) über jahrelange Weight Watchers Mitgliedschaft, low carb, high fat und was weiss ich zum nun zuckerfreien Leben. Ich bin mir sicher- ein anderer wäre bereits längst geflüchtet. Ulli hat immer nur gesagt: “Mach- aber komm nicht auf die Idee, dass ich mal kein Fleisch mehr esse!” Ist geritzt- das esse ich selber viel zu gerne, als dass ich darauf verzichten würde. Ohne zu murren, hat er tapfer meine ersten zuckerfreien Kreationen probiert (Gott sei Dank sind nicht alle in die Hose gegangen) und mit der Zeit hat auch sein Geschmack sich verändert und er hat heute genauso einen empfindlichen Geschmackssinn, was Süßes angeht, wie ich. Das meinte ich Eingangs mit “sucht Euch einen Verbündeten”- ich weiss, es wäre für mich unsagbar schwer gewesen, hätte Ulli mich nicht unterstützt. Andere Leute aus meiner Umgebung haben ob meiner ganzen Ernährungsansätze auch schon mal den Überblick verloren: sehr genial meine ehemalige Arbeitskollegin Ulla, die ich auf einem Abendseminar wiedergetroffen habe und die beim Anblick meines gefüllten Tellers meinte “Ach, seit wann isst Du denn wieder Fleisch ??”

Tja, da bin ich im Grunde schon ewig auf der Suche nach der für mich richtigen Ernährung und das Einzige, was es bedurfte, um anzukommen, war, den Zucker wegzulassen. Es ist halt nur schade, dass alles, was nicht der “Norm” in Sachen Ernährung entspricht und wovor die Leute vielleicht sogar etwas Angst haben, gerne schlecht geredet wird. Die wenigsten haben ehrliches Interesse oder freuen sich mit einem. Im Grunde warten sie auf einen Augenblick, wo sie rufen können “Ha ! Siehste ! Hab ich Dir sofort gesagt ! Das kommt davon, weil Du keinen Zucker/kein Fleisch/kein was-weiss-ich mehr isst !!!” Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann – die Hoffnung stirbt zuletzt 😉

Schönen Sonntag Euch,

Stephie

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0 comments

  1. Hallo,

    der Blog gefällt mir ausgesprochen gut.
    Leider muss ich sagen, daß Agavendicksaft und einige andere Zutaten anstelle Haushaltszucker,
    letztendlich auch Zucker sind, Fructose ist Zucker und die Leber mag keine Fructose.

    Mal schaun wie ich Deine tollen Rezepte abändere.

    1. Hallo Ingrid,
      ich freue mich sehr, dass Dir mein Blog gefällt. Agavendicksaft verwende ich nicht- da ist mir in der Tat zu viel Fructose enthalten. Ich finde, bei Ahornsirup ist das noch ok und die Mengen, die ich verwende, sind gering. Reissirup oder Kokosblütensirup sind sogar noch besser geeignet. Was verwendest Du denn zum Süßen ?
      Lieben Gruß
      Stephie

      1. Ich nehme Birkenzucker aus dem Reformhaus, da gibt’s große Unterschiede.
        Ab und zu auch Reissirup.
        Vor kurzem hab ich einen guten Blog auf FB entdeckt, da geht’s um Fructose
        Im Moment läuft das Thema im ZDF bei WISO

        Meine täglich Quarkportion süße ich mit Süßstoff 4 Tropfen mehr nicht.

        1. Finde ich gut ! Bircolin habe ich auch hier. ZDF hab ich grad schnell noch eingeschaltet und den Beitrag gesehen.

      2. Hab den Blog abonniert. “Gesunde Ernährung mit wenig Fructose”
        Das interessiert Dich sicherlich

  2. Liebe Stephi,

    dein Blog ist sehr interessant und ich freue mich über interessante Rezepte. ich habe eine (erworbene) Fruktoseintoleranz und vertrage so gut wie keinen Zucker, deshalb freue ich mich immer über Ideen. Ich “darf” also tatsächlich keinen Zucker. Leider fällt bei mir das Süßen mit Obst (z.B. Bananen) oder Süssstoffen (Sorbit) auch fast immer weg, aber auch damit kommt man auf Dauer klar.

    Liebe Grüße

    1. Hallo Anni,
      das stell ich mir sehr schwierig vor mit einer Fructoseintoleranz. Backst Du denn ? Und wenn ja, nimmst Du dann z.B. Kokosblütenzucker ?
      Ich merke aber auch wenn ich mal Zucker esse (z.B. wenn ich eingeladen bin) oder vermehrt Trockenobst, dass direkt mein Kopf wieder anfängt zu jucken.
      Dann weiss ich, ich sollte sofort wieder auf Null runter fahren, sonst kommt der Hefekleiepilz durch. Und den dann wieder loszuwerden, dauert.
      Ganz lieben Gruß
      Stephie

  3. Hey 🙂 ich finde deinen Artikel total interessant! Ich habe gerade selbst mein Projekt zuckerfrei gestartet. Vielleicht magst du ja auch mal bei mir vorbeischauen!
    Liebe Grüße Julia
    juliyskitchen.wordpress.com

    1. Hallo Julia,
      oh jaaaa- das mag und mach ich auf jeden Fall. Freue mich schon ! Bin gespannt, wie es Dir so ergeht.
      Ganz lieben Gruß und bis bald,
      Stephie

      1. Das freut mich! Finde es immer interessant sich über sowas auszutauschen. Liebe Grüße Julia

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