Urlaub auf Gran Canaria {Teil 1}

Gran Canaria

Dem Winter und der Kälte entfliehen – oder besser – entfliegen. Machen ja ganz viele Leute und in diesem Jahr, wo der Winter gefühlt endlos dauert, noch viel mehr als sonst.

Während wir die letzten vier Jahre nach Florida geflogen sind, ging es dieses Mal nach Gran Canaria, der drittgrößten der kanarischen Inseln.

Bei unserem letzten Aufenthalt 2013 waren wir in Puerto Mogan, hatten einen Mietwagen und haben fahrend die Insel abgeklappert. Dieses Mal hatten wir auch einen Mietwagen, wohnten aber in Playa del Ingles und es sollte in der einen Woche viel erwandert werden.

03. März 2018:

Mit dreistündiger Verspätung landeten wir in Las Palmas, übernahmen ein süßes Mini Cabrio und dann ging es ab zum Hotel. Nicht nachgedacht hatte ich über die Parksituation in Playa del Ingles – die Strassen waren vollgestopft, vor dem Hotel gibt es zwar ein paar kostenfreie Parkplätze aber die waren alle belegt. Also ums Hotel herum gefahren und dort einen Parkplatz ergattert. Mit blauen Linien. Dumpf konnte ich mich erinnern, dass blaue Linien bedeuten “zahlen”. Es stand auch direkt ein Parkautomat dort – aber der funktionierte nicht. Tja, dann haben die Spanier eben Pech gehabt, dachten wir und haben erst mal in Ruhe im Hotel eingecheckt. Unser Zimmer lag direkt mit Blick auf unser Auto und als wir dann da so am späten Nachmittag auf dem Balkon sitzen und ein Glas Wein schlürfen, der uns netterweise vom Hotel spendiert wurde, kam eine Politesse angeschlendert (kaum zu übersehen in ihren neongelben Klamotten) und fing an, Knöllchen zu verteilen. Der Gatte schaute ganz erschrocken und meinte, wenn er englisch oder spanisch sprechen könnte, würde er jetzt runter gehen und mit ihr sprechen. Spanisch spreche ich zwar auch nicht (obwohl: immerhin kann ich Bier und Wasser bestellen und mich artig bedanken) aber englisch klappt. Mir fiel auch direkt ein, dass wir mal auf Mallorca ein Knöllchen fürs falsch Parken bekommen hatten und das war alles andere als günstig.

Ich mir die Zimmerkarte geschnappt (damit kommt man auch direkt am Parkplatz raus und muss nicht ums ganze Hotel drumherum laufen) und bin zu der Politesse gerannt (wie auch immer man das in Flip Flops kann), kam jappsend bei ihr an und versuchte, zu verklickern, dass der Parkautomat nicht funktioniert. In einer Mischung aus deutsch, englisch und spanisch (die Frau hatte es drauf !), hat sie mir erklärt, dass aber der Automat auf der anderen Straßenseite seinen Dienst tue. Ups ! Den hatten wir natürlich nicht gesehen und nun stand ich da mit nem dummen Gesicht. Was ich denn nun machen solle, hab ich gefragt – das Maximum an Parkzeit waren 3 Stunden (für € 2,40) – zahlen muss man von 10 bis 21 Uhr. Da müsste ich ja nach drei Stunden wieder hin und noch mal ein Ticket lösen. Und überhaupt, wenn man das Auto mal einen Tag nicht benutzt, müsste ich ja alle drei Stunden zum Automaten hin und so weiter und sofort. Sie hat meinen verzweifelten Redefluss unterbrochen und mir irgendwas von drei Euro erzählt. Da ich aber überhaupt nichts kapiert habe, würde sie nun mit mir zum Automaten gehen und mir helfen. Ob ich drei Euro hätte. Mit Blick in mein Portemonnaie fragte ich sie, ob sie evtl. einen fünf Euro Schein wechseln könne. Konnte sie natürlich nicht. Ich so “Ha! Kein Problem !” wedelte mit dem Arm Richtung Balkon, wo der Gatte alles sehr interessiert aber mit mehreren Fragezeichen überm Kopf beobachtete und sagte ihr, ich gehe mal eben aufs Zimmer, weil der Gatte in seiner Geldbörse drei Euro hätte. Sie nur gottergeben genickt, ich wieder aufs Zimmer, mir das Geld geschnappt und wieder runter gehechtet. Drücke ihr mit strahlendem Gesicht die drei Euro in die Hand und sie ist dann mit mir zum Automaten und ich habe endlich kapiert, dass sie mir sagen wollte, wenn man einen Parkschein für zwei Euro und einen für ein Euro löst und beide hinter die Windschutzscheibe legt, ist das ein Tagesticket. Ach sooooooo ! Na klar, völlig logisch und gut, dass das auch nirgendwo steht. Mir hat sie ein Ticket für zwei Euro gelöst und meinte, den einen Euro würde sie mir heute schenken aber ab morgen müsste ich das mit den beiden Tickets machen, weil da kommt der Kollege und der schreibt pünktlich ab 10 Uhr seine Knöllchen. Mann, was war ich happy über so viel Hilfsbereitschaft ! Hätte meine neue neongelbe Freundin fast auf offener Strasse umarmt, hab mich aber damit begnügt, mindestens 15 Mal “gracias” zu rufen und zu strahlen.

Ach- und das Gute bei diesem “Tagesticket” ist auch noch, dass man damit in ganz Playa del Ingles parken kann. Wenn Ihr also zwischendurch mal wegfahrt und dann einen Parkplatz in einer anderen Strasse bekommt, gilt weiter Euer vorher gezogenes Ticket. Ha ! Bin nun voll der Parkchecker von Gran Canaria – wenn Ihr mal Fragen habt, wendet Euch vertrauensvoll an mich !

So viel spanische Gastfreundschaft musste gefeiert werden und es gab direkt noch mal ein Gläschen Wein.

04. März 2018:

Am nächsten Tag frickelte ich meine neu erstandenen Trekkingstöcke aus dem Koffer (noch original verpackt) und war baff erstaunt, was man da alles einstellen kann: oben die Länge bestimmen, unten, dann die Handschlaufen einstellen, entscheiden, ob man am Ende die Spitze haben möchte, einen Pinockel drauf oder so ne Art Teller (für weichen Untergrund). Ja was weiss ich denn, was der Gatte da für Touren heraus gesucht hat und wie der Untergrund da ist ? Ich entschied mich für die Mitte und habe die Plastikpinockel drauf getan.

Unser kleines knöllchenfreies Auto wartete schon auf uns und nach einem richtig leckeren Frühstück (also das Essen in dem Hotel ist der Wahnsinn !), ging es ab in Richtung Mitte der Insel. Wenn man wandern möchte, bleibt einem nicht viel übrig, als erst einmal ein Stück (manchmal auch ein ziemlich weites) zu fahren.

Gran Canaria
Unser kleines, tapferes Mietauto

Wir parkten etwas oberhalb von Llanos de la Pez und los ging´s. Für diejenigen, die komoot als Wanderführer nutzen: dort heisst die Tour Pico de las Nieves – Hellado Runde von Tejeda”; wir sind halt nur nicht bis nach Tejeda gefahren.

Gran Canaria
Hier geht´s lang – oder hier….

Unsere Tour ging ca. 10 km und hatte schon sehr beeindruckende Steigungen. Mit meinen Stöcken musste ich ein wenig kämpfen, weil ich es einfach nicht gewohnt war, mit sowas zu laufen. Aber gerade für den Abstieg waren sie mir eine echt große Hilfe und haben mein Knie toll entlastet.

Gran Canaria
Noch unten im Tal

 

Gran Canaria
Muss ja alles festgehalten werden

 

Gran Canaria
Toller Ausblick

Die letzte, herrlich langgezogene Steigung Richtung Parkplatz habe ich verweigert, mich auf ein Mäuerchen gesetzt und zum Gatten gehechelt “Harry- hol schon mal den Wagen”. Gemein war nur, dass um mich herum gefühlt alle Spanier der Umgebung den dort angelegten Picknickplatz mit gemauerten Grills genutzt haben und es von allen Seiten köstlich nach gegrillter Wurst roch. Kurz war ich versucht, Mundraub zu begehen aber meine Beine haben mir was gepfiffen von wegen “gehen”.

Gran Canaria
Das hat überall sooo gut gerochen !

Ziemlich erledigt aber glücklich kamen wir nach über einer Stunde Fahrzeit wieder am Hotel an, zogen unser “Tagesticket” und haben abends laut gejubelt, als der Kollege meiner Politessenfreundin unverrichteter Dinge unser Auto passierte, wie wir vom Balkon aus beobachten durften.

A pro pro Jubel: ich weiss nicht, wie es in anderen Hotels in Playa del Ingles ist, aber ohne Ohrenstöpsel wären die Nächte anstrengend geworden. Jede Nacht (bis auf eine), war immer laute Musik und spanisches Gegröhle zu hören. Meist die ganze Nacht hindurch. Und morgens trafen sich ein paar Leute, die wohl zu Arbeit gingen und lauthals über wer-weiss-was palavert haben. Dank meiner völligen Erschöpfung jeden Abend, habe ich das Ganze nur immer so nebenbei mitbekommen. Ansonsten hätten auch die Ohrenstöpsel nicht viel genutzt oder man hätte mit geschlossener Balkontür schlafen müssen. Schon sehr nervig, wie wir fanden.

05. März 2018:

Tag zwei unserer Wanderexkursion führte uns nach Maspalomas. Bei komoot heisst die Tour “Faro – Punta de Maspalomas Runde von Meloneras”. Man läuft durch die Dünen hin und am Strand wieder zurück. Den Strand fanden wir ein wenig enttäuschend- teilweise sind ziemlich viele (große) Kieselsteine am Wasser und barfuß laufen wird anstrengend. Insgesamt kamen wir auf ca. 12 km an dem Tag und haben anschliessend erst mal am Pool relaxt.

Gran Canaria
Noch funktionierte das Navi- danach machte es diverse Zicken…
Gran Canaria
Bouganvilla

Gran Canaria

Gran Canaria

Gran Canaria

Gran Canaria
Nicht nur wir waren unterwegs

06. März 2018:

Tag drei wurde dann das Wander”highlight” der Woche – alter Falter ! Nach dem Frühstück sind wir noch kurz zu einem Lidl gefahren, um Wasser zu kaufen und der Gatte wollte auch unbedingt einen Schinken mit nach Hause nehmen.

Danach ging es wieder ab in die Berge. Wir fuhren bis kurz vor San Bartolome und haben uns dort auf einen kleinen Parkplatz rechts auf der Strasse hingestellt, wo es nach oben zum Restaurant Mirador ging.

Bei komoot heisst die dann folgende Tour “El Roque Nublo – Molino de Fataga Runde von Perera” und ist auf keinen Fall zu empfehlen !!

Zu Beginn sehr schön mit toller Landschaft und auch prima zu laufen (na gut- bis auf einen “Weg” den Berg rauf, den ich niemals als Weg erkannt hätte):

Gran Canaria

 

Gran Canaria

 

Gran Canaria

 

Gran Canaria

Gran Canaria
Bergab ist immer nett
Gran Canaria
Da ging´s dann los…

kurz vor Kilometer sechs steht man aber vor einem großen Problem: einem Maschendrahtzaun mit eisernem und verriegeltem Tor – einem hohen Tor. Der Gatte stapft am Zaun entlang und murmelt “hier muss ein Weg sein.” “Ja, ist auch – hinterm Zaun.” “Kann nicht, der ist ja auch hier her.” `Der`ist der Mensch, der diese Tour mal aufgezeichnet und bei komoot veröffentlicht hat. Entweder konnte “der” fliegen oder es gab schlicht ergreifend noch keinen Zaun. Ich tippe mal auf letzteres. Jetzt ist hier aber einer und das ganze Gelände ist seeehr großzügig eingezäunt, merken wir, als wir mal daran entlang den Berg hochstiefeln (durch trockenes, pieksendes Gestrüpp). Oben angekommen haben wir einen tollen Blick auf ein paar baufällige Gebäude, aus denen nun immer mehr Hundegebell erklingt (“hallooo ! Eindringlinge!”) und auf den Weg, auf den wir müssen. Uns trennt aber noch mehr Gestrüpp und diverse Kakteenarten. Ne, das wird so nix. Wir stiefeln noch mal kurz hin und her, so dass nun auch der letzte halbtaube und -blinde Hofhund uns erspäht hat und seinen Unmut über diese Störung laut mitteilt. Hmpf. Rückzug. Wieder den Berg runter und der Gatte schlüpft durch ein Loch im Zaun. Echt jetzt ? “Ja- wir müssen hier durch oder sonst den gesamten Weg so wieder zurück, wie wir gekommen sind.” Ähhhh- das ging doch da vorhin so steil runter mit Geröll und so- das muss ich doch dann wieder rauf, oder ? “Richtig.”  Überredet. Ich husche durch die Zaunlücke und hoffe nur, dass nicht gleich ein zähnefletschender Dobermann vor uns steht – mit Lätzchen um den Hals und Messer und Gabel in den Pfoten “ahhhh- mein Mittagessen!”. Der Gatte hat eher Bedenken, was wir sagen, wenn gleich der spanische Grundstückseigentümer vor uns steht. “Wir sagen einfach, dass Tor stand offen” habe ich die geniale Idee. Mitleidiger Blick vom Gatten “klar- und meine zerkratzten Waden hab ich mir beim Durchgang durchs OFFENE Tor geholt.” Oh – Tatsache. Jetzt sehe ich es auch: ziemlich große, AUFFÄLLIGE rote Kratzer zieren des Gatten´s Waden. Wie konnte ich die übersehen ? Hab ich sie doch fast auf Augenhöhe.

Da uns aber weder ein spanischer Hund noch ein Mensch den Weg versperrt, werden wir etwas frohgemuter. Bis wir dann vor dem “Ausgang” des Geländes stehen: wieder einem hohen Tor mit einer richtig schön massiven Kette und einem noch größeren Schloss. Ich hätte heulen können. Es war heiss, es gab keinen Schatten, ich hab geschwitzt wie irgendwas, ich hatte Durst, ich hab mir son Scheiss trockenen Ast in den Unterarm gepiekst und ich war echt angepisst. So !

Während ich mich in meinem Selbstmitleid suhlte, hat der Gatte den Zaun gecheckt und festgestellt, dass der Draht an einer Stelle oben nicht befestigt war und fing schon an, ihn aufzudröseln. Gerne hätte ich mich vor Erleichterung auf den Boden geschmissen und wem auch immer gedankt, wurde aber zur Eile angetrieben “jetzt quassel nicht – KOMM!” Jaaaaaa doch ! Also wieder durchs Loch gezwängt und endlich endlich standen wir auf dem ausgewiesenen Weg. An den Rest der Strecke kann ich mich kaum noch erinnern – nur daran, dass wir zum zweiten Mal an diesem Tag ein deutsches Pärchen getroffen haben (das erste Mal, als wir den “Weg” steil den Berg rauf genommen haben- den hatten die nämlich nicht gefunden, was ich sehr gut verstehen kann). Die beiden so “Euch haben wir doch vorhin schon mal getroffen !” Riiiichtiiiiich. Und wir haben sie dann auch direkt mit zurück genommen und ihnen erklärt, dass sie den Weg nicht weiter zu gehen brauchen – es sein denn, sie möchten mal richtig was erleben. Mit kurzem Blick auf Ulli´s Waden sind sie aber prompt umgekehrt und er hat sein Navi mit dem komoot Weg direkt ausgeschaltet.

Ich muss nicht groß erwähnen, dass unser Abend nach dem Essen nicht allzu lang ging, oder ? Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so tief und fest geschlafen habe. Bei komoot habe ich zu der Tour natürlich einen Kommentar geschrieben und darauf hingewiesen, sie besser nicht zu laufen (oder man nimmt Seiten- und Bolzenschneider mit).

Gran Canaria
Während der Gatte nach einem Weg sucht, fotografier ich mal nen Kaktus- im Hintergrund sieht man vage den Zaun

07. März 2018:

Das wurde der ruhigste Tag der Woche. Der Höllentrip vom Tag vorher steckte uns noch in den Knochen und die Beine waren arg schwer.

Kurzentschlossen fuhren wir mit dem Auto nach Puerto Mogan, um auf alten Urlaubspfaden zu wandeln: wir schauten am Hotel vorbei, schlenderten durch die Gassen von “klein Venedig”, wie Puerto Mogan auch gern genannt wird wegen der zahlreichen Wasserkanäle, die vom Hafen in den Ort führen und der Brücken über diese Kanäle. Das kleine Örtchen hat sich mit seinen alten Fischerhäusern und malerischen Gassen seinen Charme erhalten. Freitags ist Markt und wer den besuchen möchte, sollte früh anreisen, denn Parkplätze sind eh rar und am Markttag fast gar nicht zu bekommen, weil um den Hafen herum die Stände aufgebaut sind.

Gran Canaria
Eingang vom Hotel Puerto Mogan
Gran Canaria
Viele kleine Boote im Hafen von Mogan

Gran Canaria

 

Gran Canaria

Wir haben in einem kleinen Café am Strand etwas getrunken und sind irgendwann zum Auto zurückgeschlendert. Den Nachmittag haben wir dösend am Pool verbracht.

 Fortsetzung folgt….

 

 

 

 

 

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2 comments

  1. Sehr schön … mir macht das schon wieder (Vor-)Freude auf meinen nächsten Wanderurlaub … und jetzt weißt du auch, warum ich IMMER lange Hosen trage … 😉

    1. Hallo Susanne,
      ähh- ja, das weiss ich jetzt ! Hab auch sofort an Dich gedacht und in Gedanken sah ich Dich den Kopf schütteln: wie kann man SO in die Botanik aufbrechen ???
      Habe mittlerweile eine lange Trekkinghose und hoffe, ich kann sie ganz bald testen.
      Lieben Gruß
      Stephie

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